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MAKE SOME TH!NG 2011

MFG 12/2011 und BravDa 2011 (Beiblatt)

In Traisen brauchen viele Jugendliche besondere Aufmerksamkeit. Traisen ist ein Arbeiterort mit rund viertausend Einwohnern im Bezirk Lilienfeld und eher städtisch strukturiert. Der Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist groß, soziale Spannungen spürbar.

Im Kleinen zeigt sich hier das momentan weltweit in vielen Regionen eskalierende Problem: Sozial benachteiligte Menschen haben in unserer Demokratie keine Ausdrucksmöglichkeiten - unsere Gesellschaft stellt diese nicht zur Verfügung. Diese Situation zeigt sich als Pulverfass, das schon zu explodieren begonnen hat.

Die in Traisen durchgeführten Projekte verstehen sich als vorsichtiger Versuch, im kleinen geschützten Raum funktionierende Demokratie exemplarisch zu inszenieren. Im Rahmen eines künstlerischen Vorhabens werden alle relevanten Entscheidungen von den Betroffenen selbst durch unmittelbare Beteiligung abgestimmt.

Seit vergangenem Jahr wird im „Gestaltungsraum Traisen“ gearbeitet. Der „Gestaltungsraum“, das ist die künstlerische Aktivität in einem schon lange leer stehenden und zum Abbruch vorgesehenen Haus mitten im Ortskern von Traisen. Die großzügige Schaufensterfront begünstigt die Öffentlichkeit des Tuns. Dass das Haus noch steht, ist in diesem Fall positive Folge des finanziellen Engpasses der Gemeinde. Die engagierte Traisner Kulturreferentin Heidi Edelmaier hat dieses Haus für das künstlerische Arbeiten dann vorgeschlagen.

Zusammenfassend hier die Absichten des „Gestaltungsraums Traisen“:

  • Kunst soll als soziale Intervention funktionieren: Es genügt nicht, über soziale Probleme zu sprechen. Behutsam – mit dem Mittel der Kunst und der Empathie der Künstler – sollen soziale Situationen und Zustände einer Beobachtung unterzogen werden.
  • Angestrebt wird eine vielfältige Beteiligung der Bevölkerung. Der „Gestaltungsraum“ funktioniert als offene Werkstätte, als Kommunikations- und Diskussionsraum. Hier soll die Freude am gestalterischen Tun geweckt werden.
  • Es ist Aufgabe der Künstler nach unkonventionellen Lösungen zu suchen. Unbequeme und kritische Kunst stößt oft auf unreflektierte Ablehnung. Diese künstlerische Vorgehensweise verlangt von der Bevölkerung ein hohes Maß an Offenheit und Toleranz. Der „Gestaltungsraum“ funktioniert als Freiraum, indem diese Eigenschaften gelernt und geübt werden können.

Der Titel des diesjährigen Projekts im „Gestaltungsraum“ MAKE SOME TH!NG -  also „Mach´ ein Ding!”  - war eine direkte Aufforderung an alle.

Den Jugendlichen – auch Erwachsene kamen übrigens – wurde ein offener Arbeitsraum zur Verfügung gestellt. Farben, Sprays, Werkzeuge und verschiedene Verpackungs- und Abfallmaterialien standen bereit. Es gab einen Boxsack zum Abbau überschüssiger Energien. Die Jugendlichen kamen, sahen sich um, ließen sich vom Vorhandenen anregen und begannen von selbst „ein Ding zu machen“, ihrer Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Im „Gestaltungsraum“ gibt es viele Wände, die für ganz persönliche Äußerungen genutzt werden dürfen. Pläne und Konzepte wurden umgesetzt, spontane Statements an die Wand geschmiert. Über die Umsetzung von Ideen wurde beraten und Ergebnisse wurden diskutiert. Freude und Stolz begleiteten die Jugendlichen. Täglich ließ dieses berührende gemeinsame Tun eine urban anmutende, multinationale Riesencollage aus Graffiti, Gemaltem, Gezeichnetem und Gebasteltem mehr und mehr heranwachsen.

Entstanden ist eine beeindruckende Installation, die zeigt, wie dringend unsere Gesellschaft den jungen Menschen – und zwar allen jungen Menschen! – Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung stellen muss.